Wie bringe ich Baseball-Neulingen das richtige Fangen bei?

Die Evolution hat dafür gesorgt, dass Menschen es als Bedrohung empfinden, wenn etwas auf’s Gesicht zufliegt. Die natürliche Reaktion, wenn man einen Baseball auf sich zukommen sieht, ist daher: Man weicht aus oder dreht den Kopf weg oder hebt schützend die Arme vor’s Gesicht und kneift die Augen zu. Prinzipiell ja auch sinnvoll, wenn das Flugobjekt ein gegnerischer Speer oder ein Säbelzahntiger ist.

Für das sichere Fangen eines Baseballs sind all diese vorprogrammierten Verhaltensweisen nun allerdings weniger hilfreich. Ja, sie sind sogar gefährlich. Im besten Fall erlernen die Kinder eine schlechte Fangtechnik, weil sie den Fall nicht vor dem Körper fangen, sondern seitlich ausweichen und den Ball lieber mit ausgestrecktem Arm weit weg vom Körper fangen. Im schlechtesten Fall trifft der Ball das Kind im Gesicht, was die Angst weiter verstärkt und zu noch schlechterer Fangtechnik führt.

Whoa! Basebälle sind ziemlich hart

Was also tun?

Oberstes Ziel: Die Angst vor dem Ball muss weg! Daher am Anfang nur mit weichen Bällen arbeiten (Schaumstoffbälle, Incrediballs, Tennisbälle, Hacky Sack Balls o.ä.) und aus kurzer Distanz von unten zutossen und zwar so, dass der Ball auf Brusthöhe beim Kind ankommt. Ist der Ball nämlich zu tief, dreht der Fänger den Handschuh nach unten (d.h. Finger zeigen nach unten oder nach vorne anstatt – wie es richtig wäre – nach oben).

Apropos Handschuh: Ganz am Anfang ist es meines Erachtens am besten, ohne Handschuh zu arbeiten, den Ball also mit der bloßen Hand fangen zu lassen. Dabei aber unbedingt darauf achten, dass das Kind nicht die „gute Hand“ nimmt. Denn der natürliche Impuls wird sein, den Ball mit seiner starken Hand zu fangen, ein Rechtshänder also mit rechts. Im Baseball muss der Spieler sich aber daran gewöhnen, den Ball mit seiner „schlechten“ Hand zu fangen.

Tägliches „Play Catch“

Es erfordert tausende Wiederholungen, bis es für einen Spieler ganz normal ist, einen scharf geworfenen Ball auf sich zufliegen zu sehen und diesen sicher (vor dem Körper!) mit dem Handschuh zu fangen, ohne davor Angst zu haben.

Eltern, die mit ihrem Kind täglich nur ein paar Minuten „Fangen“ spielen, also den Ball von unten zutossen (erst ohne Handschuh, dann mit), verschaffen dem Kind einen enormen Vorsprung vor Spielern, die nur 1-2 Mal pro Woche im Training werfen oder die nur mit anderen Kindern werfen. Denn Kinder untereinander werfen immer viel zu ungenau, zu wild, gehen viel zu früh auf weite Distanzen u.s.w. Sich auf Fangen zu konzentrieren, ist für die Kids ohnehin uncool. Viel cooler ist es, den Ball weit zu werfen, auch wenn er in der Pampa landet. Das wird man als Coach im Training nie ganz abstellen können, wenn Kinder miteinander werfen. Wenn Kindern im Tee-, Toss- und meist sogar noch im Schülerbereich zusammen werfen, kommt fast kein einziger Ball so beim Partner an, dass dieser an seiner Fangtechnik arbeiten kann. Die meisten Bälle sind zu hoch oder seitlich ungenau, wenn sie nicht sogar vor dem Partner am Boden aufsetzen.

Daher sollte das Üben des technisch sauberen Fangens in einer 1:1 Situation mit einem Erwachsenen oder einem älteren Spieler stattfinden. Eine sehr gute Übung, wie der Anfänger das Fangen alleine trainieren und ein Gefühl für den Handschuh entwickeln kann, ist es, sich vor eine Wand zu stellen und den Ball von unten gegen die Wand zu tossen, so dass der Ball auf Brust- oder Kopfhöhe wieder zurück kommt.

Video mit Tipps für Anfänger, Eltern, Coaches und Lehrer

Wie man das Fangen eines Baseballs Schritt für Schritt technisch korrekt und ohne Angst einübt, erkläre ich in diesem Video

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Weitere Tipps auch in diesem Video hier. Der Clip zeigt (ab 0:16min) auch gute Übungen für bereits fortgeschrittene Spieler: wie bewegt man den Handschuh bei ungenau geworfenen Bällen (glove handling), ab 1:00min dann auch mit Beinarbeit des Spielers. Hier ein weiteres Video für das Training in kleinen Gruppen (maximal 5 Kids pro Reihe); hier kommt zum reinen Fangen auch der schnelle Wurf zurück (Infielderwurf).

Leider werden solche reinen Catch-the-Ball-Übungen mit Fokus auf saubere Fangtechnik im Training nur sehr selten gemacht. Viele Coaches lassen die Kinder zu lange miteinander Play Catch spielen, was in der Regel weder die Wurf- noch die Fangtechnik verbessert. Wenn die Kinder miteinander werfen, sollte der Coach immer darauf achten, dass sie nicht zu weit voneinander entfernt stehen. Und der Coach sollte einen spielerischen Anreiz schaffen, dass die Kids sich auf Präzise Würfe oder Tosses konzentrieren (hit the target), z.B. für jeden Toss, der auf Brusthöhe beim Partner ankommt, gibt es einen Punkt. Wer die meisten Punkte erzielt, bekommt im Schlagtraining ein paar extra Swings.

Zum Abschluss noch ein recht nettes Video zum Fangtraining für die ganz Kleinen.

So auf keinen Fall!

Wie man es dagegen besser nicht machen sollte (nicht nur wegen des Kampfhundes im Bild), sieht man hier: die Handschuhhaltung mit den Ellbogen nach außen ist falsch und für Anfänger wirft der Vater viel zu hart und aus zu großer Distanz.

Viel Spaß und möglichst wenig blaue Flecken beim Play Catch!

Coach Schmeilzl